Mein erster Laufwettkampf

In den Bergen unterwegs zu sein ist eine meiner größten Leidenschaften. Doch was tun, wenn die Berge die meiste Zeit des Jahres in weiter Entfernung sind? Vor allem stellt sich die Frage, wie man sich trotzdem fit hält? Sportwissenschaftler sagen, dass hierfür die Grundlagenausdauer eine wichtige Rolle spielt und da gibt es eine Sportart, die eigentlich die einfachste und natürlichste Bewegung für uns Menschen darstellt. Das Laufen. Um Laufen zu gehen, benötigt man nicht viel, ein paar gute Laufschuhe, ein paar Sportklamotten und wer mag noch Musik und schon geht es ab nach Draußen. Laufen ist eine der intensivsten Sportarten für mich, denn es wird nicht nur die Ausdauer und Kondition, sondern auch verschiedenste Muskelgruppen trainiert. Mein Training kann ich zudem überall mit hinnehmen und nach meinen Bedürfnissen anpassen. Muss ich Frust ablassen, dann wird es mal eine schnellere Runde, fühle ich mich nicht fit genug, dann tut es auch mal gut für einen Moment stehenzubleiben und einfach mal die Landschaft um einen herum genauer zu betrachten. 

Bevor ich Johannes kennengelernt habe, habe ich das Laufen eher dazu genutzt, um überhaupt in Bewegung zu bleiben. Zu diesem Zeitpunkt waren mir Zeiten oder die Kilometeranzahl ziemlich egal. Ganz nach dem Motto ,,Hauptsache draußen“. Doch irgendwann kam es, dass Johannes mich einmal gefragt hat, ob ich mal an einem Wettkampf teilnehmen möchte. Ich habe JA gesagt, war mir aber absolut unsicher, was mich da erwartet. Muss ich dazu schneller sein? Was denken die Leute von mir und was ist, wenn ich als letzte ins Ziel komme? So habe ich weiter meine Laufrunden gedreht, bis dann der Tag der Tage kam, mein erster richtiger Lauf. 

Der Wettkampf fand im Harz statt und ich habe mir für den Anfang eine recht einfache Strecke von 6 Kilometer und ca. 150 Höhenmeter herausgesucht. Ich war ziemlich aufgeregt und konnte die Nacht davor natürlich nicht schlafen. Mir kam immer noch die Frage auf, was ist, wenn ich letzte werde? Ich schaute mich vor dem Start um und war verunsichert. Viele Läufer sind bereits mehrere Wettkämpfe gelaufen und scheinen sehr selbstbewusst. Irgendwann wurde dann meine Gruppe zum Start aufgerufen. Alle Läufer um mich herum quatschten und freuten sich. Ich war scheinbar die Einzige, die aufgeregt ist und das Ganze zu sehr als Wettkampf sieht. 

Der Startschuss fiel und es ging los. Zunächst recht langsam aufgrund der Masse an Menschen, doch dann fand ich in ein schnelleres Tempo hinein. Dabei machte ich einen Fehler, den viele Läufer bei ihren ersten Wettkämpfen machten. Ich startete zu schnell und so holten mich dann irgendwann tatsächlich einige von hinten ein. Etwas demotiviert versuchte ich das Tempo zu halten. Währenddessen, ist mir eine sehr eigenartige Stimmung aufgefallen. Eine Masse an Menschen rennt in die gleiche Richtung, allerdings ist es unglaublich leise, weil einfach keiner mehr sprechen kann. Im letzten Teil der Strecke wartete ein Anstieg von 100 Höhenmeter auf mich. Tatsächlich freute ich mich auf diesen Teil am meisten. Wenn ich schon nicht so gut im Rennen bin, dann wenigstens im Bergauf gehen, langsam sein und durchhalten. Dies stellte sich als meine Stärke und Gelegenheit heraus. Während alle Läufer um mich herum anfingen den Berg hochzugehen, lief ich weiter. Wenn auch sehr langsam aber ich wollte diesen Anstieg unbedingt schaffen. Dabei könnte ich einige Überholen und Plätze gut machen. Dementsprechend wartete auf mich dann die Belohnung. Nämlich der Abstiegt. Es macht einfach unglaublich Spaß seine Beine einfach frei laufen zu lassen und den Berg hinunterzuflitzen. Der letzte Teil der Strecke kam und es ging Richtung Ziel. Ich war so mit mir und dem Lauf beschäftigt, dass ich nicht mehr daran dachte, was denn andere von mir denken könnten. Kurz vor dem Ziel hieß es dann also nochmal einen Sprint einlegen und auf einmal jubelten alle Menschen im Zielbereich. Und sie jubelten meinetwegen und der Leistung, die ich erbracht habe. 

Ich habe es ins Ziel geschafft, nicht als erste aber auch nicht als letzte. Meine Sorgen waren unbegründet und es stellte sich das gleiche Gefühl, wie nach einem Gipfelerfolg ein. Aus diesem Grund kann ich jedem empfehlen, einmal diese Erfahrung zu machen, egal wie langsam oder schnell, dick oder dünn, klein oder groß man ist. Bei den Laufveranstaltungen geht es am Ende darum gemeinsam zu laufen und das nicht unbedingt gegen einander, sondern maximal gegen sich selbst. Am Ende wird niemand deinen Namen auf der Ergebnisliste lesen und sagen: ,, Was hat der/die denn für eine Zeit?“ Nein, selbst wenn du der/die Letzte im Ziel bist, werden dir die Menschen zujubeln, weil du es geschafft hast. Ich habe an diesem Tag eine neue Bestzeit aufgestellt und habe damit das Rennen gegen mich selbst gewonnen. Doch viel wichtiger ist es, dass ich meine eigene Leidensfähigkeit gestärkt habe und mich das Laufen für die Berge fit hält. Im nächsten Blogpost freue ich mich euch zu meinem ersten Halbmarathon, dem Thema der mentalen Gesundheit und Sportverletzungen mitzunehmen. 

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